Arbeitssicherheit durch Digitalisierung

Alexander Stern

Dipl. Ing. & Industrieexperte

08.06.2020 | 4 min

Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet eine Vielzahl von Anforderungen aus der Arbeitssicherheit und Regeln zum Schutz von Mitarbeitern am Arbeitsplatz einzuhalten. Die Regeln werden in Zusammenarbeit mit Berufsgenossenschaften, Hochschulen und anderen arbeitswissenschaftlichen Instituten geschaffen. Vorrangiges Ziel ist der Erhalt der Gesundheit von Mitarbeitern und die Reduzierung von Unfallrisiken am Arbeitsplatz. Im Weiteren leistet das betriebliche Gesundheitsmanagement einen Beitrag für ein gutes Arbeitsklima und im Risikomanagement. Die Kosten und der Imageverlust können im Falle von Regelverstößen  erheblich sein. Bei Nichterfüllung der Vorgaben sind mehrere zehntausend Euro Strafzahlung keine SeltenheitDie Schadensersatzleistungen der Arbeitgeber liegen bei schweren Unfällen schnell um eine Zehnerpotenz höher. Der nachlässige Umgang in Bezug auf Sicherheitsstandards kann auch zu Unternehmensstillegungen führen, wie die aktuellen CoronaFälle in Großschlachtereien gezeigt haben. 
Arbeitgeber und Mitarbeiter tragen eine sehr hohe Verantwortung  
Das System zur Gewährleistung der vorgegebenen Mindeststandards einzuführen ist aufwendig. Es beinhaltet die Durchführung von Gefährdungsanalysen, die Beschaffung nötiger Schutzausrüstungen, Schulungen und wiederholende Unterweisungen, die Dokumentation und Überprüfung der Standards. Eine gute und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Sicherheitskultur erkennt man unter anderem daran, dass wesentliche Eckpunkte des Arbeitsschutzes in den Abläufen fest verankert und am Arbeitsplatz nachvollziehbar visualisiert sind. Entscheidend für den Erfolg ist darüber hinaus, dass sich alle gleichermaßen an die Regeln halten, diese verstanden und akzeptiert haben. Dies betrifft alle Mitarbeiter in einem Unternehmen, auch die Führungskräfte, denen eine besondere Vorbildfunktion zukommt.

IT als zentraler Bestandteil eines umfassenden Konzepts: Arbeitssicherheit durch Digitalisierung

Damit das System stets auf dem letzten Stand ist, Änderungen von Abläufen und Vorgaben zeitnah eingearbeitet werden, ist der Einsatz von IT-gestützten Prozessen wie digitalen Sicherheitsunterweisungen unverzichtbar. Effektive und effiziente Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie für ihren Arbeitsschutz auch ein schlüssiges Dokumentationssystem nutzen. Dieses beinhaltet Verfahrensbeschreibungen, Checklisten, Prüfprotokolle, Einweisungsdokumente, Datenblätter bis hin zu Aushängen/Informationsschreiben für den Betrieb.

Die Überprüfung der Einhaltung von Vorgaben ist in den Prozessen so eingebettet, dass sie möglichst vor Ort durch die handelnden Mitarbeiter selbst und mit wenig zusätzlichem Zeitaufwand erfolgt. Digitale Checklisten und Prüfprotokolle tragen maßgeblich zur Qualitätssicherung im Arbeitsschutz bei. Stichproben-Überprüfungen durch Sicherheitsingenieure können dann z. B. auf ein Minimum reduziert werden. Arbeitsabläufe werden verschlankt und transparent.

Verantwortungsübernahme vor Ort fördern und menschliche Fehler vermeiden

Human Factors Schulungen gehören in sicherheitskritischen Unternehmen zum Standard. Zu den Dirty Dozen menschlicher Fehler werden im Bereich der Luftfahrt z. B. Selbstgefälligkeit, mangelndes Wissen, fehlerhafte Kommunikation oder Ablenkung gezählt. Und gerade hier helfen spezifische Dokumentations- und Kontroll-Checklisten, um Verfahrensfehler und Unfallrisiken zu vermeiden. Wenn Mitarbeiter aktiv unterstützt werden, auf die Einhaltung von Schutzmaßnahmen ihrer eigenen Gesundheit zu achten, dann hat das positiven Einfluss auf das Unfallgeschehen, die Mitarbeiterzufriedenheit sowie die übergreifende Zusammenarbeit von Kollegen und Führungskräften.

Mit Hilfe digitaler Dokumentationssysteme stellt der Arbeitsschutz somit einen wichtigen Bestandteil der nachhaltigen Sicherung des Unternehmenserfolges dar.

Zum Autor:

Industrieexperte Alexander Stern ist Dozent und Lehrbeauftragter an der Rupprecht-Karls-Universität in Heidelberg zu den Themen Safety Management und Leadership und selbstständiger Berater bei Stern+Kramer. Zudem greift er auf über 30 Jahre Erfahrung in der Geschäftsführung und weiteren leitenden Positionen in der Flugzeuginstandhaltung zurück.

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